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Geben & nehmen im Internet

Peter Mark Droste, Vorstand bei Intershop, erzählt im Interview,
warum nur derjenige wirtschaftlich erfolgreich agieren kann, der durch neuerungen einen mehrwert für sich und seine Kunden schafft.

ECM: Intershop gehört mittlerweile mit der Gründung im Jahr 1992 zum Urgestein des kommerziellen Internets. Es gab Zeiten, da kam man an Intershop nicht vorbei, dann folgten teils etwas ruhigere Jahre - wie in der gesamten Branche - und nun scheint sich die Softwareschmiede aus Jena wieder in alter Frische zurückzumelden. Wo sehen Sie sich jetzt?

 

ecm_2010_01_Droste-klein_300-pixel.jpgPeter Mark Droste: Intershop steht für Innovation und Erfolg im Online-Handel. Wir machen Unternehmen im Online-Handel erfolgreich. Anfangs verstand man unter E-Commerce eine Webseite mit Einkaufsfunktionalität. Bald wurde es möglich, komplexe Vertriebs- und Beschaffungsprozesse abzubilden. Parallel zu den technischen Möglichkeiten entwickelten sich die Kundenansprüche. Als Pionier der Branche treibt und begleitet Intershop seit 1992 die Entwicklung im Online-Handel und verfügt so über eine beispiellose Erfahrung im E-Commerce. Davon profitieren inzwischen weltweit mehr als 300 große und mittelständische Unternehmen, die auf Lösungen aus dem Hause Intershop vertrauen.
Als Antwort auf die immer komplexeren Anforderungen im E-Commerce bietet Intershop seinen Kunden heute über Software und Consulting hinaus eine Vielzahl von Serviceleistungen, um die Potenziale des Online-Handels für sich zu nutzen. Insofern hat sich Intershop vom Softwarehersteller zum Komplettdienstleister im E-Commerce entwickelt. Gemeinsam mit unseren Partnern decken wir die komplette E-Commerce-Prozesskette ab.

ECM: Ein neues Konzept im Bereich Distributions- und Logistikprozesse treiben Sie seit diesem Jahr mit TheBakery voran. Was steckt dahinter?
Peter Mark Droste: Über die Distributionsplattform unserer Tochter TheBakery möchten wir jedem Händler die Vertriebsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, die sich bisher vor allem große Häuser wie Amazon, Otto und Co. leisten konnten. Indem Händler ihre Webshops an die Plattform anbinden, greifen sie auf umfassende Sortimente von Lieferanten zu, ohne diese selbst lagern oder ausliefern zu müssen. Auf diese Weise lassen sich auch Nischenprodukte sehr rentabel vertreiben. Die Beteiligung an TheBakery ist nur eines von vielen Beispielen, wie wir Innovationen im E-Commerce voranbringen.

ECM: Intershop hat den Wirtschaftsstandort Jena sehr geprägt - unter anderem mit dem Intershop Tower und vielen Aktionen mit den ansässigen Universitäten und Hochschulen. Sehen Sie sich als Internet-Pionier der ersten Stunde auch in der moralischen Verpflichtung, das Internet weiter nach vorne zu bringen?
Peter Mark Droste: Das ist das Geben und Nehmen in einem gesunden Markt: Nur wer durch Neuerungen echten Mehrwert schaffen kann, wird auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Das gilt für unsere Kunden ebenso wie für uns als Hersteller und Dienstleister. Also treiben wir über unser Academics-Programm Entwicklungen mit, aber nur solche, von denen unsere Kunden auch profitieren können. Denn nur so rentieren sich unsere Investitionen nachhaltig. Die Zusammenarbeit mit den Hochschulen ist uns wichtig, da die Studierenden so die Möglichkeit haben, sich an Fragestellungen aus der Praxis zu erproben. Gleichzeitig kommen wir mit den Talenten von morgen in Kontakt.

ECM: Wenn Sie die Entwicklung des kommerziellen Internets in den letzten zehn Jahren sehen, wohin werden wir uns in den nächsten fünf Jahren bewegen?
Peter Mark Droste: Wir werden immer wieder neue Geschäftsmodelle sehen. Denn die Anbieter müssen sich permanent neu positionieren und Alleinstellungsmerkmale erkämpfen. Ein aktuelles Beispiel ist der Clubansatz wie Brands for Friends oder Vente Privee. Der Long-Tail-Ansatz und der Verkauf per Multi-Channel-Strategie werden uns sicherlich noch eine Weile begleiten. Denn hier besteht der Mehrwert für die Unternehmen darin, vorhandene Ressourcen effizient zu nutzen. Durch gut abgestimmte Prozesse erzielen Firmen zusätzliche Effekte in Image und Markenpflege. Das haben wir frühzeitig erkannt und investieren weiter in diese Bereiche. Darüber hinaus sollte man aber nicht vergessen, dass es eine große Zahl von Unternehmen gibt, die erst jetzt den zusätzlichen Vertriebsweg Online-Handel für sich entdecken. Diese lassen sich in der Regel weniger auf Experimente ein, sondern setzen auf bewährte Konzepte. Für etablierte wie neue Händler im Web sicherlich wichtig: Social-Commerce-Elemente vorzusehen, um ihre Kunden enger einzubinden und ihnen personalisierte Angebote zu unterbreiten.

ECM: Sie haben diesen Herbst eine Lösung für mobiles Bezahlen vorgestellt. Ist der Endkunde schon so weit, diese Möglichkeit auch nutzen zu wollen oder handelt es sich dabei eher um eine strategische Investition, die ein Händler machen sollte?
Peter Mark Droste: Das Bezahlverfahren ist nach wie vor eine Hürde im Online-Handel. Wir wollen unseren Kunden alle technischen Möglichkeiten geben, selbst ihre Wahl zu treffen. Letztendlich entscheiden die Endkunden darüber, was sich durchsetzen wird. Die Wahl aber soll aus Aspekten des Komforts und der Sicherheit getroffen werden können, nicht aus technischen Beschränkungen.


ECM: Seit 1999 gibt es die Lösung Enfi­nity. Was war hier die größte Änderung?
Peter Mark Droste: Ein wichtiger Schritt erfolgte mit der Einführung der Multi-Site- (2002) und der Multi-Channel-Technologie (2003). Dies ermöglichte erstmals, verschiedenste Ausspielkanäle über eine einzige Plattform zu steuern - und dies in unterschiedlichen Sprachen. Seit dem Release 6 von 2004 haben wir eine vollständig integrierte E-Commerce Suite. Weitere Meilensteine waren die Online-Marketing-Optimierung (2006), die Einführung von Storefront Editing, das das Einpflegen von Änderungen direkt im Online-Shop ermöglicht (2007), und die Integration des Product Information Management (2008). Anfang nächsten Jahres kommt mit der Enfinity Suite 6.4 eine neue Version, die umfassende Geschäftsprozessmanagementfunktionen bietet.

ECM: Seit 2006 bietet Intershop auch Möglichkeiten für Online-Marketing. Die damit befasste Abteilung sitzt in Frankfurt. Wie eng arbeitet Jena und Frankfurt zusammen? Oder sind das unabhängige Modelle?
Peter Mark Droste: Die SoQuero GmbH ist eine Tochter der Intershop Communications AG. Sie fungiert eigenständig und hat auch eine Zielgruppe, die nicht ausschließlich im E-Commerce zu Hause ist, beispielsweise Reiseunternehmen oder Versicherungen. Diese müssen zwar im Netz optimal auffindbar und präsentiert sein, aber der Vertrieb per Internet spielt nicht unbedingt die große Rolle. Suchmaschinenmarketing und -Optimierung, Kampagnenmanagement und Online Marketing hingegen schon. Das Know-how von SoQuero steht jedoch selbstverständlich auch den Kunden des Stammhauses Intershop zur Verfügung und wird intensiv genutzt. Außerdem ist es direkt in die Produktentwicklung der Enfinity Suite eingeflossen. So erreichte unsere E-Commerce-Software in einer internationalen Studie die Bestnote für Suchmaschinenfreundlichkeit.

ECM: Sie selbst sind seit April dieses Jahres mit im Intershop-Vorstand. Was sind Ihre Schwerpunkte und Ziele?
Peter Mark Droste: Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung bei verschiedenen IT-Anbietern und speziell im Bereich Business Process Management treibe ich die Ausrichtung auf die die gesamte E-Commerce-Prozesskette intensiv mit voran. Denn nur wenn Marketing-, Logis­tik- und Bezahlprozesse optimal inei­nandergreifen, schöpft ein Online-Händler das gesamte Potenzial des Vertriebswegs aus. Außerdem ist wichtig, das Vertrauen von Investoren und der Öffentlichkeit in Intershop wieder zu stärken, denn dass wir auf dem richtigen Kurs sind, zeigen neben Kundengewinnen wie Mexx, Messe München und Tels­tra auch die Zahlen. Intershop hat seine Umsatzerlöse seit 2006 deutlich gesteigert und rechnet auch dieses Jahr, trotz Finanz- und Wirtschaftskrise, mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau. Im Jahr 2008 haben wir den Turn­around erfolgreich vollzogen und ein deutlich positives operatives Ergebnis erzielt. Zwar stellte die Insolvenz unseres Großkunden Quelle dieses Jahr 2009 zwischenzeitlich eine höhere Belastung dar, doch können wir diese aufgrund unserer starken Marktposition und der insgesamt stabilen finanziellen Lage zügig kompensieren.

ECM: Intershop und das e-commerce Magazin kennen sich seit über zehn Jahren. Worüber sollte man die Leser noch mehr informieren?
Peter Mark Droste: Aus unserer Erfahrung mit Interessenten und Kunden wissen wir: Erfolgreiche Referenzprojekte überzeugen am besten von der Leistungsfähigkeit eines Systems beziehungsweise von der Kompetenz eines Dienstleisters. Daher sind Fallbeispiele sicher auch für die nächsten zehn Jahre eine wichtige Orientierungshilfe. Für thematische Impulse lohnt es sich, auf den Leser selbst zu hören - etwa in Kommentaren oder Bewertungen zu Beiträgen. Dieser enge Kontakt mit der Zielgruppe hilft uns auch in unserer Produktentwicklung, unsere Angebote noch stärker an den Anforderungen des Marktes auszurichten. ■
> Kennziffer: ECM18740



 
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