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OS-Shops im Vergleich

Mittlerweile gibt eine ganze Menge Open-Source-Shoplösungen.
Das e-commerce Magazin zeigt deren jeweilige Schwächen und Stärken und
für welche Shopgrösse die lösungen am geeignetsten erscheinen. 

E-Commerce wird immer bedeutender. Kein Wunder also, dass zwischenzeitlich eine Vielzahl an kostenpflichtigen und kos­tenlosen Systemen um die Gunst der Shopbetreiber buhlen und Open-Source-Lösungen mittlerweile ganz oben mitspielen. Doch bevor wir uns den Open-Source-Softwaretools widmen, muss auf einige allgemeine Dinge im Zusammenhang mit einem Online-Shop hingewiesen werden:

  • Mal zügig einen Online-Shop aufsetzen und schnell reich werden, das klappt in den wenigsten Fällen.
  • Als Neueinsteiger sollte man sich im Vorfeld genaue Gedanken machen, was man wie verkaufen möchte. Ein Blick auf das Marktumfeld schadet nicht, denn der hundertste Shop zum Thema "MP3s" wird wenig Aussichten haben.
  • Wer sich noch nicht sicher ist und erst testen möchte, kann dies auch über eine günstige Einstiegslösung tun. Diverse Hoster bieten die unterschiedlichsten und auch kostengünstige Varianten an. Eine weitere Alternative wäre zum Beispiel ein Mietshop bei Tradoria.
  • Kostenlos gibt es heutzutage so gut wie nichts mehr. Seien Sie mit derartigen Aussagen vorsichtig - und Open Source bedeutet in keinem Fall gratis! Etwas Startkapital ist in jedem Fall nötig, auch wenn Sie nur testen möchten.
Lassen Sie sich daher nicht von der teilweise vorhandenen Euphorie blenden. Ein Online-Shop kann ein interessantes und lukratives Geschäftsfeld werden. Doch wie heißt es so schön: Ohne Fleiß kein Preis. Jetzt aber genug der einleitenden Worte. Werfen wir einen Blick auf mögliche Softwarelösungen.

> xt:Commerce

Bei xt:Commerce handelt es sich um eine Weiterentwicklung von osCommerce, bei dem man jedoch mehr Layoutmöglichkeiten hat, weil Layout und Funktionalitäten getrennt wurden. Hier muss beachtet werden, dass die Software als Open-Source-Tool kostenlos heruntergeladen und verwendet werden kann, was auf der Webseite möglicherweise nicht rüberkommt. xt:Commerce gehört zusammen mit osCommerce zu den auf dem deutschsprachigen Markt am stärksten verbreiteten Shoplösungen. Dieser Umstand sorgt dafür, dass für xt:Commerce viele Dienstleister zur Verfügung stehen, die sich um Anpassungen oder Erweiterungen kümmern. Sofern man über HTML- und PHP-Grundkenntnisse verfügt, kann man mit xt:Commerce sein Glück selbst versuchen. Aufgrund der simplen Programmstruktur sollte man dabei mit überschaubarem Aufwand recht ansehnliche Ergebnisse erzielen können. Hier liegt gleichzeitig eines der Hauptprobleme. Da der Quellcode ziemlich verschachtelt ist, sorgen individuelle Anpassungen und Erweiterungen in aller Regel dafür, dass der Shop - wenn überhaupt - nur mit hohem Aufwand updatefähig bleibt. Die verwendete Programmstruktur hat aber auch Vorteile. Der Quellcode ist schlank und bringt - verglichen mit Magento - nur wenig Overhead mit. Dadurch ist xt:Commerce performant und stellt nur wenig Anforderungen an die Hardware. Selbst für umfangreiche Shops reicht eine überschaubare Serverausstattung. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Anpassungen und Erweiterungen mitunter auch "Quick & Dirty" gelöst werden können, wodurch sich entsprechende Kostenvorteile bemerkbar machen. Einen xt:Commerce-Shop kann man in wenigen Tagen aus dem Boden "stampfen".
Der Funktionsumfang von xt:Com­­merce lässt kaum Wünsche offen und kann mit teuren E-Commerce-Lösungen mithalten: unterschiedliche Kundengruppen, umfangreiches, anpassbares Versand- und Zahlungsmodul, integriertes Content-Management-System für statische Seiten, Bannermanager, Staffelpreise und Sonderangebote, Verkauf von digitalen Download-Produkten, Rechtesystem für Produkte und Kategorien sowie Import-/Export-Funktionalitäten. Darüber hinaus besticht xt:Commerce durch eine Vielzahl an verfügbaren Schnittstellen zu Online-Shopping-Portalen und Preissuchmaschinen (zum Beispiel Google Base, Milando, Geizhals, billiger.de).
Unterschiedliche Zahlungsmodule gewährleisten einen reibungs- und problemlosen Einsatz beziehungsweise die notwendige Zahlungsabwicklung (etwa Pay­pal, iPayment, Worldpay, Click & Buy).
Obwohl es größere Shops mit bis zu sechstelligen Produktanzahlen gibt, eignet sich xt:Commerce aufgrund der Softwarearchitektur eher für kleinere Shops. ecm_2009_08_200_B1_xt_700.jpg

In der Administrationsoberfläche von xt:Commerce sind alle Menüpunkte aufgeklappt. Der Admin sieht auf den ers­ten Blick alle Möglichkeiten. Das Ganze wirkt dadurch jedoch etwas überfrachtet (http://www.xt-commerce.com). 

 

> Magento

Um die Open-Soure-Shop-Software Magento hat es in den letzten 12 Monaten einigen Wirbel gegeben. Mit inzwischen über einer Million Downloads gehört die Software zu der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Lösung weltweit und das kommt nicht von ungefähr. Version 1.0 wurde am 31. März 2008 offiziell vorgestellt. Inzwischen ist man bei Version 1.3.2.3 angelangt und das Entwicklungstempo, das Varien - der in Los Angeles ansässige Hersteller von Magento - vorlegt, ist beachtlich. Auch die Community hinter Magento hat innerhalb der letzten 12 Monate eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Magento gehört zweifelsohne zum modernsten, was an E-Commerce-Lösungen derzeit verfügbar ist. Die Software ist "vollgestopft" mit Features und baut auf dem ZEND-Framework auf. Damit ist eine saubere Programmarchitektur sowie ­Erweiterbarkeit bei gleichzeitiger Update-Fähigkeit gegeben. Ein Auszug aus der Featureliste: Google-Analytics Integration, RSS-Feeds für neue Bestellungen sowie für knappe Lagerbestände, anpassbare Reports, Layered Navigation, Produktvergleich, Produkt Reviews, Schnittstellen zu zahlreichen Payment-Anbietern, Single Page Checkout, umfangreiche und anpassbare Import- und Exportfunktionen, saubere URLs und individuelle Metatags sowie XML-Sitemap und so weiter. Obwohl Magento - verglichen mit xt:Commerce - noch relativ neu auf dem Markt ist, macht die Software einen soliden Eindruck. Die Geschwindigkeit während der Entwicklung wird bislang auch beim Bugfixing und der Weiterentwicklung beibehalten, so dass sich Magento mit ziemlicher Sicherheit gut weiterentwickeln wird. Bei Magento gilt es jedoch, im Vorfeld auch einige Dinge zu beachten und für sich abzuwägen. Zum einen lässt der Framework-Ansatz höchstmögliche Flexibilität und Skalierbarkeit zu. Die "erkauft" man sich jedoch mit einem höheren Hardwarebedarf. Wer also nur einen kleinen Hobby-Shop plant oder erstmal ins E-Business reinschnuppern möchte, der ist bei Magento falsch aufgehoben. Zum zweiten sollte man über fundierte PHP-Kenntnisse sowie Erfahrung im Umgang mit Entwicklungsframeworks verfügen. Andernfalls kann das Ganze zur Tortur werden. Zum Dritten sollte man auf eine vernünftige Hardware setzen - idealerweise einen eigenen Server -, weil Magento anspruchsvoll ist, was die Serverausgestaltung betrifft. Die Parameter, die Einfluss auf die Kosten eines Magento-Shops haben, sind das Design beziehungsweise Layout, die gewünschten Funktionalitäten sowie die Größe des Shops. Und hier gibt es durchaus enorme Unterschiede. Die folgende Aufstellung sollte lediglich einen ersten Anhaltspunkt geben:

  • Design-Entwicklung: ab drei Tage (bei komplexeren Shops kann das jedoch sehr schnell ein Vielfaches davon sein)
  • Template-Erstellung: ab drei Tage
  • Installation und Grundkonfiguration: zwei bis drei Tage (Standard-Funktionalitäten)

Dies bedeutet, dass man selbst bei einem "einfachen" Magento-Shop mit einem Minimal-Aufwand von acht Werktagen rechnen sollte. Wenn man von einem Agentur-Stundensatz von 80 Euro ausgeht, dann liegt man bei rund 5.000 Euro. Wenn das Layout komplexer werden soll und besondere Funktionalitäten oder Schnittstellen zu externen Systemen benötigt werden, lässt sich der Aufwand problemlos mit einem beliebigen Faktor versehen. Natürlich kann man dazu übergehen und hier den einen oder anderen Kompromiss eingehen, nur mittel- und langfristig wird sich das bei einem derartigen System wieder rächen. Insofern gilt bei Magento: Die saubere Grund-Architektur der Software sollte bei der Anpassung eines Shops in jedem Fall beibehalten werden und dies bedeutet im Klartext erhöhten Initialaufwand. Im Zweifelsfall sollte man auf eine Magento-Agentur zurückgreifen.
Wie erwähnt, sollte man beim Einsatz von Magento beachten, dass die Software idealerweise einen eigenen, vernünftig dimensionierten Server benötigt. Zwar gibt es einige Shared-Hosting-Pakete, die bei kleineren Shops ausreichen dürften. Wer jedoch einen Shop mit mehreren Tausend Produkten, einer Vielzahl an Bildern und sogar Videos an den Start schicken möchte, der auch schon über etwas Traffic verfügt, sollte von Beginn an auf einen eigenen Server setzen.
Ein anderer Gesichtspunkt, den es im Zusammenhang mit Magento zu beachten gilt, liegt in der Tatsache, dass für den deutschen Markt noch nicht die Auswahl an Schnittstellen existiert, wie dies bei xt:Commerce der Fall ist. Hier werden Varien sowie die Entwickler-Community sicherlich bald nachlegen.

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Dem Admin-Bereich von Magento sieht man an, dass es sich hier um eine sehr moderne Software handelt. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt und übersichtlich, was eine intuitive Bedienung ermöglicht (http://www.magentocommerce.com).

 

> PrestaShop

Mit Prestashop steht ein weiterer neuer und noch wenig bekannter Open-Source-Shop aus Frankreich am Start. Die Software macht auf den ersten Blick einen aufgeräumten und frischen Eindruck, so dass Einsteiger und Neulinge sich schnell zurechtfinden werden. Bislang ist die Software jedoch nur in Englisch und Französisch erhältlich, wobei die Sprache über Language-Packs individuell angepasst werden kann. Der Shop lässt sich ohne größere Aufwände anpassen, so dass auch der Einsatz im etwas komplexeren deutschen Rechtsraum problemlos möglich ist. Über Module kann der Shop jederzeit erweitert werden. Neben den altbekannten Standardfunktionen einer modernen Shopsoftware werden geboten: Meldungen per SMS/Text-Messages, Bar Codes, kontextsensitive Hilfe, suchmaschinenfreundliche URLs, zoombare Produktbilder, saubere URLs und individuelle Metatags, RSS-Feed und so weiter. Besonders interessant könnte die Möglichkeit von so genannten Download-Produkten (zum Beispiel eBooks, MP3s) sein, die bei Prestashop bereits standardmäßig integriert ist. Tendenziell eignet sich Pres­tashop für kleinere bis mittlere Shops. Hier besticht die Software durch Anpassbarkeit und eine einfache Bedienung. Auch eine Anbindung an Payment-Anbieter ist vorhanden, wobei Paypal vorkonfiguriert ist. Mit Grundkenntnissen in HTML und PHP kann Prestashop einfach an individuelle Bedürfnisse des Shopbetreibers angepasst werden. Durch den schlanken Programmcode ist Prestashop recht performant und stellt nur minimale Anforderungen an die Serverumgebung.

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Der Presta-Demo-Shop sieht sehr modern und übersichtlich aus. Auch hier lassen sich die Tem­plates individuell anpassen (http://www.prestashop.com). 


> Fazit

Während in den letzten Jahren nur wenige Alternativen im OS-Shopbereich verfügbar waren, ist nun neuer Schwung in diesen Bereich gekommen. Mittlerweile gibt es echte Alternativen zu den "Veteranen" osCommerce und xt:Commerce, wobei jeder Shopbetreiber vorab seine Wünsche, Ziele und auch Budgets abstecken muss.

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Josef Willkommer ist Geschäftsführer der Rosenheimer Online-Agentur TechDivision. Der diplomierte Betriebswirt beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema E-Commerce und
Online-Marketing 

 

 

 

> Kennziffer: ECM18309



 
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